Wie es auch in der Zeitung stehen könnte:
Anything goes – alles ist möglich. Das Musical von Cole Porter wird diese Spielzeit in der Staatsoper Hannover gezeigt. Der Vorhang öffnet sich und das Orchester beginnt zu spielen. Zu sehen ist eine Bar auf einem offensichtlich alten Schiff. Auf dem verrosteten Schiffsdeck ist gerade noch „S. S. American“ zu lesen. Durch eine Drehbühne wechselt die Bar mal zu einer Art Raum und mal ist nur eine klapprige verrostete Treppe zu sehen. Bis zur Pause nimmt die Geschichte an Fahrt auf. Der Assistent des Börsenmaklers Elisha Whitney, namens Billy Crocker, schmuggelt sich samt einer Fahrkarte auf den Namen eines anderen Passagiers auf das Schiff. Seine Liebe, Hope Harcourt, ist ebenfalls mit ihrer Mutter und ihrem Verlobten auf dem Schiff. Bis zum Ende der Geschichte gibt es noch allerlei Liebesdramen aber zum Schluss ein Happy End. Am Schluss verriet spätestens der Applaus, dass alle begeistert waren, ganz gleich ob sie die Geschichte nun verstanden haben oder nicht.
Was dort nicht stehen würde:
Am 5.12.25 besuche ich zusammen mit meiner Klasse das Musical Anything goes, 19:00. Wir standen auf den Treppen vor der Oper und warteten auf die letzten Mitschüler. Viele hatten sich wirklich herausgeputzt und froren etwas in der Dezember-Kälte. Kurz nach 19:00 sahen alle auf den rot-orangen Klappzetteln und viele unterhielten sich. Manche schauten auch einfach nur auf den roten Vorhang. Das Geräusch von gedämpften Unterhaltungen hatte sich im Zuschauerraum breitgemacht und wenn man sich umschaute, konnte man viele Leute sehen, die im Programmheft lasen. Als kurz vor 19:30 das Licht im Saal ausging, war ich und viele andere wahrscheinlich auch sehr gespannt. Nach der Ansage, in der alle gebeten wurden, ihr Handy auf lautlos zu schalten, betrat der Dirigent den Saal und das Musical begann. Viele haben wohl bei der Hälfte aufgehört zu versuchen, die Geschichte zu verstehen, aber wenn man die Charaktere schauspielerisch zugeordnet hatte, wurde die Sache schon klarer. In der Pause strömten alle hinaus durch die große Glastür und kauften sich etwas oder erkundeten das Opernhaus. Nach etwa 20 Minuten in der Pause kamen die Zuschauer wieder in den Saal und die Vorstellung ging weiter. Am Ende doch ein Happy-End. Alle heiraten schließlich, den sie lieben, und auch die Börse läuft. Ende. Vorhang zu. Langer und ausgiebiger Applaus. Wenn es also stimmt, dass Applaus das Brot der Künstler ist, sind alle die auf und unter der Bühne ihre Kunst gemacht haben, satt geworden. Im Foyer holten alle sich ihre Jacken aus dem eigens für uns geöffneten Abteil und verschwanden in die Nacht bzw. ins Wochenende.
Flora Roßner, 7C



