Moin vom Töwerland!
Für manche aus unserer Klasse war es eine Rückkehr zum ostfriesischen Deich, für manch andere war es das allererste Mal Nordsee-Briese schnuppern: ganze fünf Tage lang war die Klasse 6c gemeinsam mit ihren Parallelklassen 6a und 6b auf der Insel Juist unterwegs – ohne Eltern, ohne Geschwister und (oh Schreck) ohne Handys!
Doch wie sich herausstellen sollte, konnten wir (Verzeihung) Landeier zumindest ohne letzteres ziemlich gut auskommen. Dafür hat sowohl die Insel als auch die Gemeinschaft gesorgt. Angefangen mit einer recht langen Anreise, die sich am Ende wie eine Fahrt im Hogwarts Express angefühlt hat, in der alle munter und gut drauf am Spielen, Quatschen und Essen waren. Als wir in Norddeich-Mole ankamen, und um die Wartezeit für die Überfahrt auf der Fähre zu überbrücken, ging es zur Seehundstation mitsamt kleiner Schwimm-Show der beliebtesten Tierbewohner Ostfrieslands. Nach der Fährenfahrt bei starkem Wind und noch stärkerer Kälteresistenz einiger Sechstklässler kamen wir endlich mit hungrigen Mägen in der DJH an, wo ein warmes, leckeres Abendbrot auf uns wartete. Noch kurz die Betten beziehen und dann ab in die Heia, um Kraft zu tanken für den zweiten Tag.
Der Dienstag begann mit dem Bewusst-Werden, dass die Insel komplett autofrei funktioniert – und mit jedem Tag wertschätzten das die Schülerinnen und Schüler mehr. Die Ruhe, das Runterkommen vom manchmal zu schnellen Alltag, die frische Luft. Gemeinschaftsspiele wie „Capture-The-Flag“, „Peng!“ und das über mehrere Tage anhaltende „Mörderspiel“, was so manche Freundschaften auf die Probe stellte, haben den Zusammenhalt der Klasse gestärkt. Eine Wattwanderung mit der Entdeckung vieler kleinster Lebewesen und des Phänomens von Ebbe und Flut bereicherten unseren wissensdurstigen Geist. Abends war dann eine Runde Spezial-Werwolf dran, welche die Klasse in ihren Bann zog. Am Mittwoch zur Halbzeit wurde sowohl der Strand näher erkundet als auch eine Insel-Ralley auf eigene Faust unternommen, um die Symbiose von „Stadt“ (bei einer Einwohnerzahl von 1.700) und Natur zu erleben. Hierbei wurde auch die Funktionsweise, Wirksamkeit und Bedeutung von Deichen klar.
Am vorletzten Tag war ein straffes Programm angesagt, in der zunächst bei strahlendem Sonnen-schein und wolkenfreien Himmel ein Sandburgen-Wettbewerb erfolgte, bei dem zwischen dem Haus von SpongeBob Schwammkopf, lebensechten Schildkröten, einzigartigen Festungen und einem coolen Seehund mit gelber Mütze allerlei kreative Ergebnisse geboten wurden. Darauf folgte eine Radtour bei mittlerweile sommerlichen T-Shirt-Temperaturen, welche uns bis zum Flugplatz am Ende der Insel führte. Vielleicht haben manche Kinder aus der Klasse ein Flugzeug von innen gesehen, aber das Landen und Abheben von Propellermaschinen 20 Meter vor der eigenen Nase war dann doch eine bemerkenswerte, neue Erfahrung. Nach einem kleinen Abstecher in die „City“ liefen die Vorbereitungen auf den gemeinsamen Abschlussabend aller Klassen: die Kinderdisco! Mit dem zweiten Song „Gangnam Style“ wurden die ersten Tanzbeine gesichtet, spätestens mit „La Macarena“ und „Cotton Eye Joe“ schwangen die Hüften – und beim „KIKA Tanzalarm“ bebte sogar ein wenig die Erde.
So war der letzte Tag gleichzeitig auch der Abschied von der Insel, welcher uns ehrlicherweise schwerer gefallen wäre, wenn nicht von der Seite peitschender Regen eingesetzt hätte. Dennoch kamen bei der Klassenfahrt nach Juist unglaublich tolle Augenblicke, Erinnerungen, Erfahrungen, neue Freundschaften und ein echtes Gemeinschaftserlebnis zustande, welche noch lange positiv in unseren Köpfen bleiben werden.



Bartek Kwoka, Klassenlehrer der 6c
